Infrarotfotografie

ich sehe was, was du nicht siehst…

Kameras

Ja, auch Ihre Digitalkamera kann Infrarot fotografieren…

…zumindest theoretisch, denn alle Sensoren sind bis ca. 1000 nm Wellenlänge für elektromagnetische Strahlung empfindlich.Praktisch gibt es aber doch einige Einschränkungen.

Filter

Da IR die normalen Bilder stört, ist in den Kameras ein IR-Block-Filter vor dem Sensor. Dieser besteht aus einer Beschichtung, die IR reflektiert, dem sog. „Hot Mirror“ und einem IR-Absorptionsfilter sowie einem Anti-Aliasing-Filter (welcher aus drei Schichten besteht und das Bild leicht unscharf macht, um Moiré-Muster zu vermeiden).

ein Motiv im Vergleich zwischen Licht, Infrarot und gemischt

Vergleich Licht und Infrarot

Allerdings ist der interne IR-Block-Filter nie 100% dicht, sondern lässt immer noch ein wenig IR passieren.
Es gibt jedoch starke Unterschiede, z.B. lässt die Nikon Coolpix 950 noch recht viel IR passieren, die Canon EOS Modelle hingegen sehr wenig. Die Leica M8 ist für IR so empfindlich, dass nachträglich jeder Käufer umsonst 2 IR-Block Schraubfilter in gewünschten Durchmessern bekommen hat.

Um nun Bilder zu bekommen, die nur, hauptsächlich oder mit einem sichtbaren Anteil IR gemacht sind, müssen wir den Anteil des „normalen“ Lichts kontrollieren, wozu man Filter benutzt, die IR passieren lassen aber das sichtbare Licht ganz oder teilweise blockieren. Man sperrt also das sichtbare Licht und das interne Filter die Infrarotstrahlung, so kommt auf dem Sensor kaum noch etwas an, darum ergeben sich Belichtungszeiten zwischen 2 Sekunden und 1 Minute.

IR-Test

Um zu testen, wie empfindlich Ihre Kamera für IR ist, können Sie entweder einen IR-Filter aufschrauben, oder, falls Sie noch keinen haben, einfach das Licht ausmachen, bzw. eine komplett dunkle Kammer aufsuchen. Dann nehmen Sie eine IR-Fernbedienung, z.B. die Ihres Fernsehers (nicht unbedingt die Ihrer Kamera!) und drücken auf den Knöpfen rum und zielen in das Kameraobjektiv. Bei einer Kamera mit schwachem IR-Filter und mit Livebild können Sie evtl. schon etwas sehen, ohne sollten sie Aufnahmen mit immer längeren Belichtungszeiten machen, bis sie etwas auf dem Bild sehen. Je länger die Zeit, je unempfindlicher ist ihre Kamera für IR.

Hot Spots und Fogging

Ein weiteres Kriterium, ob eine Kamera tauglich ist für die Infrarotfotografie, sind Hot Spots und Fogging.

Hot Spots:
Jedes Objektiv, ob nun ein Wechselobjektiv oder das fest montierte einer Kompaktkamera reagiert anders auf IR-Licht. Insbesondere die Vergütung der Linsenoberflächen reflektiert mehr oder weniger stark IR, ebenso die „Hot Mirror“ genannte Beschichtung auf dem Filter vor dem Sensor. Je mehr IR diese Oberflächen reflektieren, desto eher kann sich auf dem Bild in der Mitte ein runder Fleck zu sehen ist, der zwar noch das Motiv zeigt, aber störend heller ist.

ir hot spot

hot spot

Fogging:
Das Wort Fogging kommt aus dem Englischen vom Wort Fog, Nebel. Gemeint ist der Effekt, dass Fotos aussehen, als wenn es ein nebliger Tag gewesen ist, also verwaschen, kontrastarm, mit flauen Farben, unscharf. Neben dem Objektiv kann auch das Kamerainnere, welches meist matt schwarz ist, für Infrarot nicht matt schwarz sein, so dass interne Streuungen das Bild verwaschen aussehen lassen. Wird diese Mattierung im Laufe der Produktion geändert, was auf die „normale“ Fotografie keinen Einfluß hat, aber auf IR evtl. schon, kann es vorkommen, dass die IR-Tauglichkeit noch nicht mal bei allen Exemplaren eines Modells gleich ist.

Bei DSLRs kann man Hot Spots durch die Wahl eines geeigneten Objektivs minimieren oder vermeiden, bei Kompaktkameras geht das natürlich nicht. Informationen über geeignete Kameras und Objektive findet man u.a. in Internetforen, siehe Kapitel „Einführung“. Eine ganz kurze Liste schonmal hier: Das Nikon Kit Objektiv soll OK sein, bei Canon nur das neue mit IS, beides ungetestet. Selbst getestet und OK: Sigma 18-50 DC, Canon Canon EF-S 4,0-5,6/55-250 IS. Selbst getestet und nicht/eingeschränkt tauglich: Tamron AF 17-50mm 2,8 XR Di II LD ASL, Tamron AF 28-75mm 2,8 XR DI LD ASL SP Macro.

Kameraklassen und -ausstattung

Einige sinnvolle Ausstattungsmerkmale sind:

*RAW-Format. Die meisten IR Bilder müssen noch stark nachbearbeitet werden, da liefert RAW den größten Spielraum
*Manueller Weißabgleich
*Manuelle Einstellung von Blende und belichtungszeit
*Histogramm, am besten für unterteilt in RGB
*Stativgewinde.

Handelsübliche Kameras

Kompaktkameras

Ganz einfache Kompaktkameras haben oft keinen Filteradapter zum Anschrauben des IR-Filters. Da gibt es von Cokin oder beim Fotohändler Brenner Adapter, die man ins Stativgewinde schraubt oder ankleben kann o.ä. Für bessere Kompakte gibt es oft als Zubehör passende Adapter.

Je nach Empfindlichkeit der Kameras für IR kann es sein, dass der Sensor zu wenig Licht bekommt, um die Belichtungsautomatik zu steuern und/oder ein Monitorbild zu liefern. Hier muß man die Belichtung manuell steuern. Ist dies nicht möglich, ist die Kamera unbrauchbar für die Infrarotfotografie (allerdings lohnt sich hier ein IR-Umbau der Kamera, siehe Kapitel „Umbau“).

Eine Speicherung der Bilder im RAW-Format ist vorteilhaft, aber in vielen Kompaktkameras nicht vorhanden. Dann sollte es wenigstens möglich sein, einen manuellen Weißabgleich zu machen. Ansonsten erhält man Bilder mit starken Farbstich (rot, magenta, lila), der aus den jpgs aufwändig entfernt werden muß.

Spiegelreflexkameras

Diese Kameras haben üblicherweise alle oben aufgeführten Ausstattungsmerkmale. Auch bei der Infrarotfotografie gelten alle Vorteile, die eine DSLR gegenüber einer Kompakten hat: Der große Monitor bietet eine bessere Bildqualität mit weniger Rauschen und selektive Schärfe kann genutzt werden. Die Objektive sind austauschbar, es gibt viel Zubehör und Anschlußmöglichkeiten.

EVIL

Electronic Viewfinder, interchangeable Lenses.
Evil ist eine neue Kameraklasse mit (bisher: Fourthirds) relativ großem Sensor, ohne Spiegel, dafür mit Live View und electronischem Okular sowie Wechselobjektiven. AF und AE arbeiten mit Sensordaten, so dass auch nach einem IR-Umbau diese (wie bei Kompakten) funktionieren. Der Electronic Viewfinder bietet enorme Sichtvorteile bei Sonne gegenüber dem Monitobild und ist auch schon ein IR-Bild.
Im Gegensatz zu Kompakten ist die Bildqualität durch den größeren Sensor besser und das Arbeiten mit seleketiver Schärfe möglich. Ausserdem kann man die Objektive wechseln.
Makario bietet Panasonic Lumix G1 und GH1 Mods an.

Spezialkameras

Fuji USA

In den USA (und nur dort) bietet Fuji für Kunst, Wissenschaft und Forensik umgebaute Finepix Kameras an, die ein IR (und UV) Umbau sind. Die haben ein Nikonbajonett. Optik Makario bietet ebenfalls den Umbau dieser Modelle an, was preislich wohl kaum einen Unterschied macht, wenn man den höheren Preis, Zoll und Steuern bedenkt. Die Kameras sind von Fuji nicht mehr offiziell im Verkauf.

Sony Cybershot

Einige Sony Cybershot-Modelle haben einen sog. Nightshotmodus. Dabei wird intern der IR-Blockfilter weggeschwenkt. Allerdings kann man in diesem Modus immer nur mit der größten Blendenöffnung und begrenzten Belichtungszeiten fotografieren. Zur Belichtungssteuerung braucht man also diverse ND-Filter und auch einen IR-Pass-Filter, da in diesem Modus Licht und IR (und UV!) aufgezeichnet wird.

Einige Modelle mit Nightshotmodus: DSC-F707, DSC-F717, DSC-F828, DSC-V1, DSC-V3, H9

Sigma SD 10 und SD 14

Bei diese beiden DSLR ist das IR-Sperrfilter vor dem Spiegel eingebaut und kann ohne Werkzeug, bzw. mit einem Schraubendreher sehr einfach entfernt werden. Wenn man es wieder einsetzt, hat man wieder eine „normale“ Kamera. Trotz der hohen IR-Empfindlichkeit braucht man noch einen IR-Pass-Filter, der das Sucherbild undurchsichtig macht, daher braucht man immernoch ein Stativ, um das Bild erst zu komponieren und dann den Filter aufzuschrauben und das Bild zu machen.

Zubehör

Shade

Bei der Infrarotfotografie schießt man oft bei starker Sonne, daher ist ein Monitor-Shade empfehlenswert, insbesondere wenn man den Monitor zum komponieren nutzen möchte oder muß, weil es keinen optischen Sucher gibt.

Rangefinder

Bei nicht modifizierten Kameras sieht man bei aufgesetztem IR-Filter nichts mehr durch den Sucher. Um sich das Auf- und Absetzen zu sparen, kann man einen Aufsteck-Rangefinder nutzen. Die Fokussierung kann dann aber nur noch per Skala erfolgen, denn eine grobe Fokussierung bei Licht ist so auch nicht möglich.

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