Infrarotfotografie

ich sehe was, was du nicht siehst…

Professioneller Kameraumbau

Kameramodell

Die Entscheidung, welche Kamera man umbauen lässt, hängt oftmals eher davon ab, was man noch an alten, unbenutzten Kameras liegen hat, als an Überlegungen über die bestimmten Kameraklassen. Allerdings wird nicht für jede Kamera ein professioneller Umbauservice angeboten. Wie auch immer, hier ein paar Hinweise über die einzelnen Kameraklassen.

Kompaktkameras

Nicht für jedes Modell wird ein Umbauservive angeboten, eher für die Hochwertigeren. Bei den ganz kleinen bleibt daher nur die Eigeninitiative: Selber basteln, Bastler suchen oder eine gebrauchte auftreiben. Prinzipiell ist das IR-Fotografieren mit umgebauten Kompakten sehr einfach, da der Autofokus in annehmbarer Geschwindigkeit funktioniert und auch die Belichtungsautomatik. Wenn die Kamera dann noch Bilder im RAW-Format aufzeichnet: Alles super! Ob der nötige Filter nun intern oder extern verbaut wird, sehen wir weiter unten.

Spiegelreflexkameras

Diese bieten alle Vorteile dieser Klasse die sich auch bei der normalen Fotografie gegenüber den Kompaktkameras ergeben. Aber es wird etwas schwieriger, da weder der Autofokus noch die Belichtungsautomatik direkt vom Sensor mit Infrarotdaten gespeist werden, und damit sind hier manuelle Anpassungen nötig.
Bei der Belichtungsautomatik ist es hilfreich, wenn nicht nur 2 Blendenstufen, sondern mehr zur Korrektur zur Verfügung stehen, was einige Kameras inzwischen (z.B. Canon 550D) anbieten.
Der Autofokus kann angepasst werden, aber immer nur für ein Objektiv (bei Zooms auch nur für eine Brennweite). Hier müsste manuell korrigiert werden oder stark abgeblendet (was aber grade bei IR auch wieder zu weniger Schärfe führen kann). Evtl. ist es hier hilfreich, wenn die Kamera es unterstützt, für einzelne Objektive Autofokusanpassungen durchzuführen und zu speichern. Das haben aber nur sehr hochwertige Kameras und bei Zooms hilfts auch nicht.
Bei DSLRs mit LiveView scheinen alle Probleme gelöst, da hier im LiveView-Betrieb wieder die Infrarotdaten direkt vom Sensor genutzt werden können. Leider ist der Autofokus oft unbrauchbar langsam.

Beachten sollte man auch, dass nicht jedes Objektiv für die IR-Fotografie tauglich ist. Durch den Umbau minimieren sich zwar die „Hot Spots“, dennoch habe ich mit bestimmten Objektiven noch welche im Bld gehabt.

Glücklicherweise gibt es bei Optik-Makario ein Umbauangebot mit einem eigens entwickelten Verfahren, das den Autofokus so anpasst, dass stets für IR fokussiert wird, egal welches Objektiv und welche Brennweite. Es ist sogar möglich, durch den Sucher manuell zu fokussieren und ein scharfes Infrarotbild zu erhalten. Viele DSLR bieten im LiveView-Modus einen Quick-AF an, dabei wird der Spiegel kurz wieder runtergeklappt, der Monitor wird dunkel, der schnelle Phasenvergleichsautofokus stellt scharf und der Spiegel klappt wieder hoch und das Livebild erscheint wieder. Man kann also im LiveView-Modus die Belichtungsautomatik nutzen und den Quick-AF und hat ein infrarotes Vorschaubild.

EVIL

Die Kameraklasse EVIL (Electronic Viewfinder, Interchangeable Lens, also quasi Kompaktkameras mit großen Sensoren und austauschbaren Objektiven) ist für die IR-Fotografie sehr interessant. Das Folgende gilt in erster Linie für IR-modifizierte Kameras, bei unmodifizierten kommt es sehr stark auf die IR-Empfindlichkeit des einzelnen Modells an.

EVIL-Kameras bieten für die IR-Fotografie die Vorteile, die auch Kompaktkameras haben: Sowohl der Autofokus als auch die Belichtungsautomatik werden mit Daten des Bildsensors gespeist und diese sind schon infrarot, d.h. sie können ohne Einschränkungen oder manuelle Anpassungen genutzt werden. Dazu kommen die Vorteile der DSLRs wie ein größerer Sensor und austauschbare Objektive.

Viele Modelle haben neben dem Monitor auch einen elektronischen Sucher oder die Möglichkeit, einen anzuschließen, welcher das Arbeiten in hellem Sonnenschein erleichtert, was bei der IR-Fotografie oft der Fall ist.

DSLRs im Live-View-Modus sind eigentlich EVILS mit „Spiegelballast“, aber es fehlt der elektronische Sucher und der Autofokus ist langsamer. Es ist zwar auch ein Kontrast-Autofokus, aber anscheinend müssen die Objektive dafür optimiert sein, um gute Geschwindigkeiten zu erreichen.

Der Phasenvergleichsautofokus, den DSLRs nutzen, ist und bleibt der Schnellste, aber ein optimierter AF einer EVIL schlägt so manchen DSLR-Liveview-AF. Oplympus hat grade (Mai 2010) mit einem Firmwareupdate für die Pen-Modelle 15% zugelegt (waren vorher aber auch die langsamsten EVILS).

Es gibt einige EVILS im Micro-Four-Thirds Standard von Panasonic und Olympus (Pen).
Samsung bietet die Modelle NX-10 und NX-5 mit eigenem Bajonett und APS-C-Sensor an.
Sony hat zwei Modelle mit APS-C Sensoren, die Nex-5 und die Nex-3 (beide leider ohne elektronischen Sucher, auch kein externer zum Aufstecken im Zubehörprogramm, aber es gibt Adapter für Objektive mit Sony Alpha-Bajonett und Minolta A-Bajonett).

Über EVILS von Canon und Nikon gibt es bisher nur widersprüchliche Gerüchte.

Optik-Makario bietet momentan Umbauten für folgende EVIL-Modelle an: Samsung NX-10, Panasonic G1, GH1, G2, GH2, G10

Der Filter

Wie in vorherigen Kapiteln bereits erwähnt, ist das Filter vor dem Sensor Schuld für die langen Belichtungszeiten bei der Infrarotfotografie. Auch wenn diese Filter bei den verschiedenen Kameramodellen sehr unterschiedlich sind, so dass die Belichtungszeiten zwischen 1 Sekunde und 1 Minute liegen können, so richtig schnell wird’s erst, wenn das Filter raus ist.

Das Filter besteht aus mehreren Schichten. Aussen ist eine IR-reflektiernde Schicht aufgedampft, der Hot Mirror, dann gibt es noch eine IR-absorbierende Schicht und der Rest sind mehrere Schichten des Anti-Aliasing-Filters. All das ist meist ein Block, so dass der AA-Filter mit rausfliegt. Dieser macht das Bild leicht unscharf, um Moirémuster, insbesondere farbige, zu vermeiden. Farbsäume gibt es bei IR eh nicht, daher gewinnt man Schärfe, ohne Nachteile.

Der Ersatzfilter

Allerdings reicht es nicht dieses Filter auszubauen, denn dann wird die Kamera „kurzsichtig“ und kann nur noch um Nahbereich fokussieren. Die genaue optische Erklärung dafür spare ich hier mal aus, praktisch bedeutet das, dass ein Ersatzfilter eingebaut werden muß, das möglichst die gleichen optischen Eigenschaften hat wie das Original, nur eben IR durchlässt (und auf den AA-Filter kann man auch verzichten).

Klarglas oder IR-Passfilter

Nun stellt sich die Frage, ob man ein klares Ersatzglas einbauen lässt, dann braucht man vor dem Objektiv noch einen IR-Schraubfilter, der das Licht sperrt. Das Gute dabei ist, dass man verschiedene Filter ausprobieren kann oder man wieder einen IR-Sperrfilter aufschraubt oder auch mal den verwaschenen Look von IR + Licht ausprobiert. Das empfiehlt sich bei Kompaktkameras, die haben durch das fest verbaute Objektiv meisten nur einen (und eher kleinen) Filtergewindedurchmesser, so dass man nicht auch noch darauf achten muß und evtl. mit Adapterringen hantieren muß. Ausserdem haben die Kompakten ja einen permanenten LiveView, so dass man mit Frontfilter trotzdem etwas sieht.

Bei DSLRs mit Frontfilter sieht man nichts mehr durch den Sucher, d.h. trotz schneller Belichtungszeit braucht man wieder ein Stativ, um das Bild einzustellen und dann das Filter aufzusetzen und auszulösen.
Bei DSLRs mit LiveView gehts mit Frontfilter, aber man muß bedenken, das der Autofokus im LiveView meistens unbrauchbar langsam ist.

Bei Umbauten mit internem IR-Filter von Optik Makario ist der AF so angepasst, dass er stets für Infrarot fokussiert, es ist also kein manuelles Anpassen nötig und man kann frei durch den Sucher sehen und den schnellen Phasenvergleichsautofokus nutzen.  Bei vielen Kameras ist so auch ein „Mischbetrieb“ möglich, bei dem zum Fokussieren der LiveView kurz abgeschaltet wird, der schnelle Phasenvergleichsautofokus scharf stellt und man dann wieder sein IR-Livebild hat.

Umbaufirmen

Diese Umbauten bieten nur wenige Firmen für eine Auswahl an Kameras an und es kostet zwischen 150 – 500 €.

Optik Makario

Diese Firma bietet den Umbau für eine Vielzahl von DSLR und EVIL Kameras an.
Hierbei kann gewählt werden, ob intern ein Klarglas oder ein IR-Filter (verschiedene SPerrfrequenzen vorhanden) eingebaut werden soll.
Sehr interessant ist ihre spezielle AF-Anpassung, die für alle Objektive und Brennweiten funktioniert und man sogar manuell mit dem Sucher fokussieren kann und ein schrfes IR-Bild erhält.

http://optik-makario.de

Lifepixel

Sitzen in den USA.
Bieten keine so tolle AF-Anpassung an, bauen aber auch gehobene Kompakte der Canon Powershot und der Nikon Coolpix Serien an.
Auch gibt es Kits für Selbstumbauer und gute Do-It-Yourself-Anleitungen.

www.lifepixel.com

Maxmax

http://maxmax.com

DSLR-Astrotec

http://dslr-astrotec.de

Neben Astroumbauten bietet DSLR-Astrotec nun auch IR-Modifikationen mit Klarglas oder definiertem IR-Passfilter an, und zwar für eine ganze Reihe von Kameramodellen von Canon, Nikon, Sony und Olympus. Und das zu sehr fairen Preisen!

Astroumbauten

Es gibt Anbieter, die Kameras speziell für die Astrofotografie umrüsten und zwar meist relativ günstig. Anscheinend wird dabei aber nur der IR-Sperrfilter entfernt und gar kein Ersatz eingebaut, was anscheinend bei einem Anschluß an ein Teleskop kein Problem darstellt, da muß ich nochmal nachhaken.

www.baader-planetarium.de

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